Entstehungsgeschichte SOLTOP Energie AG

 

Die SOLTOP Energie AG entstand aus der Fusion im Jahr 2021, aus den Firmen SOLTOP Schuppisser AG aus Elgg und der Energie Solaire SA aus Sierre. Durch die Fusion entstand ein stärkeres und leistungsfähigeres Unternehmen mit Standorten in Elgg (ZH), Sierre (VS), Puidoux (VD) und Hergatz (D). Wolfgang Thiele, der langjährige CEO und Aktionär von Energie Solaire SA, leitet als Geschäftsführer die SOLTOP Energie AG. Die Mitarbeitenden beider Firmen wirkten aktiv an der Gestaltung des neuen Unternehmens mit. Fritz Schuppisser, der Gründer der SOLTOP Schuppisser AG bleibt im Verwaltungsrat tätig.

 

 

 

Entstehung SOLTOP Schuppisser AG – Die Firma SOLTOP Schuppisser AG begann ihre Erfolgsstory im Jahr 1984

«Dann musste ich ins Gefängnis», erzählt der 71-jährige Fritz Schuppisser mit seiner sonoren, ruhigen Stimme. Dabei hatte er doch schon vor der Rekrutenschule einen Brief an die Armee geschrieben: Er sei gegen Militär und weltweite Aufrüstung, komme aber trotzdem in die RS, um seinen Dienst an der Gemeinschaft zu leisten. Allerdings wolle er einfacher Soldat bleiben und keinesfalls weitermachen. Natürlich wurde genau er nach der RS zum Weitermachen verdonnert. Er, der später die Firma Soltop AG aufbaute und heute zu den Schweizer Solarpionieren zählt. Was dann folgte, hat mit seiner Grundhaltung zu tun, der er bis heute treu geblieben ist: «Ich habe mich immer für meine Überzeugungen und gegen Ungerechtigkeiten eingesetzt. In der Auseinandersetzung bin ich offen, manchmal unbequem, aber nicht persönlich gegen Einzelne gerichtet.» Mit einer Kopie seines Briefs rückte Schuppisser in Zivil in die Unteroffiziersschule ein, um gleich wieder zu gehen – für drei Monate, ins Gefängnis. Inspirierendes Umfeld. Aufgewachsen ist Fritz Schuppisser in Räterschen ZH, einem Dorf unweit seines heutigen Wohnorts Winterthur. Mit seinen sechs Schwestern, seinem Bruder und seiner Mutter – sein Vater starb, als Fritz drei Jahre alt war. Geprägt wurde der Jugendliche durch ein forderndes, aber vielfältig inspirierendes Umfeld: Dazu zählen seine Mutter, Chefin des eigenen Textilbetriebs mit 50 Näherinnen und, wie er sagt, «zünftige Frauenrechtlerin», oder sein Onkel, Generaldirektor bei Sulzer. Diese starken Charaktere hätten bei ihm eine Gegenreaktion ausgelöst: «Es war nicht so, dass ich mies fand, was sie machten, aber ich wollte tun, was ich für richtig hielt.» Nur so habe er seine eigene Identität finden können, sagt er rückblickend. Mit seinem Freundeskreis gründete er die Jugendgruppe «Objektive Jugend». Sie erstellten in der Region zehn Biotope, organisierten Vorträge über Naturschutz, spielten kritisches Theater oder boten Töpferkurse als Alternative zum «verdummenden Fernsehen» an. Der Geist von 1968 hatte sie erfasst: «So kann es nicht weitergehen! Vietnam, Aufrüstung, drohender Atomkrieg, ungerechte Gesellschaft. Wir wussten genau, was richtig ist.» Schuppisser blieb seinem rebellischen Naturell treu: So habe er als militanter AKW-Gegner damals an jeder Demo teilgenommen. «Es war ein wildes Leben, Rockkonzerte, Lagerfeuer, Hanf anpflanzen, lässige Freunde und Freundinnen.» Dass Schuppisser damals wohl ein richtiger Filou war, erahnt, wer seine strahlenden Augen und sein verschmitztes Lächeln sieht, während er von früher erzählt. Nach einer KV-Lehre im Textilbereich arbeitete er im örtlichen Pestalozziheim, als Gussputzer bei Sulzer, in einer Sägerei, im Spital, in einer Autogarage und absolvierte schliesslich teilweise in der Abendschule die eidgenössische Matur. Nur studieren konnte er nicht: Der damalige Regierungsrat Alfred Gilgen untersagte es dem «Dienstverweigerer» schriftlich. «Diese feindselige und erniedrigende Behandlung durch den Staat war schwer für mich.» Er sei froh, habe er dem mit Unterstützung von Freunden und Familie innerlich standhalten können. Interesse für die Sonnenenergie entwickelte er erstmals 1973, im Jahr der Ölkrise. Drei Jahre später durfte er zwar doch noch an die Uni, brach sein Jurastudium aber nach einem Semester wieder ab. «Gesetze auswendig lernen war nichts für mich.» Das Thema Sonnenenergie faszinierte ihn dafür umso mehr. «Ich war überzeugt: Damit löst man alle Energieprobleme auf der Welt.» Also absolvierte er eine Lehre als Installateur bei einem Sanitär- und Heizungsbetrieb in Zürich, der damals schon Solarthermieanlagen errichtete, etwa die damals grösste auf dem Zürcher Micafil-Gebäude. Dann schloss er sich für sechs Jahre dem Winterthurer Bauhandwerker-Kollektiv Arba an, wo er unter anderem Solaranlagen entwickelte. Seine eigene, 34 Quadratmeter grosse Werkstatt eröffnete er 1984: Fritz Schuppisser Sonnenenergie und Installationen. Die Idee, mittels Sonnenenergie und Kollektoren auf ökologische Weise das Brauchwarmwasser in Gewerbebauten und Wohnhäusern zu erhitzen, gewann in Europa zunehmend an Bedeutung. Schuppisser entwickelte die ersten grossflächigen Indachkollektoren und liess diese 1989 am Institut für Solartechnik in Rapperswil SG auf ihren Wirkungsgrad testen. Das Ergebnis: Weltspitze. Die Nachfrage zog überfallartig an. Mehr Raum wurde benötigt: Schuppisser zügelte seinen Kleinbetrieb in die ehemalige Näherei seiner Mutter. Die Firma wuchs stetig und wurde 1996 in die Soltop Schuppisser AG umgewandelt. Im gleichen Jahr konnte die Firma ihre neu gebaute Halle in Elgg ZH beziehen. Den ersten von zwei Schweizer Solarpreisen erhielt Schuppisser 1999 – für «seinen Einsatz für die Sonnenenergie». Charismatischer Macher. Simon Müller, während 15 Jahren Verkaufsleiter bei Soltop, beschreibt Fritz Schuppisser als charismatischen Macher, dessen Energie sehr ansteckend wirke. «Egal, wo und woran er gerade ist, er gibt sich immer engagiert in die Sache.» Schuppissers Frau Kathrin Baumgartner bestätigt das: Morgens sei er spätestens um sechs aus dem Haus gegangen und abends erst um 21 Uhr wieder zurückgekommen. «Meist sind unsere beiden Kinder Zora und Alexander dann nochmals aufgestanden, und Fritz ist mit ihnen durchs Wohnzimmer geritten oder hat eine Geschichte erzählt.» Natürlich sei der Haushalt an ihr hängengeblieben, weshalb es auch manchmal Auseinandersetzungen gegeben habe. «Aber ich konnte das, weil ich die Nutzung erneuerbarer Energie und das Geschäftsethos meines Mannes eine tolle Sache finde. Wäre er Bankdirektor gewesen, hätte ich sicher nicht mitgemacht.» Das war die Zeit, in der Fritz Schuppisser mit nur vier bis fünf Stunden Schlaf auskam. Und es war die Zeit, in der die Soltop AG eine eigene Laser Schweissanlage zur Befestigung der Rohre auf den Absorbern entwickelte. Die 2006 in Betrieb genommene Anlage beschleunigte den Arbeitsprozess und verbesserte die Qualität der Kollektoren. «Das war unser finaler Durchbruch», sagt Schuppisser. Gleichzeitig zog das Geschäft mit Sonnenkollektoren erneut an, und Soltop entwickelte sich zum Marktführer für Solarthermie in der Schweiz. Seit der Fukushima-Katastrophe 2011 habe sich der Markt aber dramatisch verändert, sagt Schuppisser. Höchstes Ziel ist seither einerseits, Atom- durch Solarstrom zu ersetzen. Anderseits sind die Umsätze bei den Solarthermieanlagen seit einigen Jahren stark rückläufig. Natürlich bietet Soltop auch Fotovoltaik an – etwa im Verbund mit Wärmepumpen. Das sei gerade für die Energiewende wichtig, erklärt er. Vier Stunden Schlaf – das war einmal. «Auch ich merke die Endlichkeit des Lebens», sagt Schuppisser. Er habe mittlerweile schon etwas Tempo rausnehmen müssen und sei daran, die richtige Balance für sich zu finden. So hat er 2012 die Soltop-Geschäftsleitung abgegeben und amtete bis vor kurzem als Leiter Technologie und Innovation. 2015 lagerte er den Bereich Montage durch ein Management Buy-out aus. Derzeit sind bei Soltop in Elgg, in der Romandie und in Deutschland noch 70 Personen angestellt. Überzeugter Klimaaktivist. Dafür hat der 71-Jährige nun mehr Zeit für Beziehungen auch ausserhalb des Geschäftslebens, für den Garten, das Kochen und für Bergtouren. Von der Rockmusik ist er etwas abgekommen, er hört heute gern Jazz und Klassik, aber auch Reggae: «Jimmy Cliff habe ich zusammen mit meinen Kindern mehrmals live gesehen – das erste Mal, als Alexander zwei war.» Heute ist Zora 24 und Alexander 22. Beide engagieren sich aktiv für den Umweltschutz, ihren Vater finden sie mittlerweile dafür etwas angepasst. Dem kann Fritz Schuppisser nicht zustimmen: «Ich sehe die Welt einfach differenzierter als früher.» An Demonstrationen nimmt er auch heute noch teil – etwa an einer Klimademo. «Ich bin den Jungen sehr dankbar, dass sie sich einsetzen und unsere Gesellschaft wachrütteln.

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